Posse
Die Geschichte der Wobblesfamily  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Geschichte der Wobblesfamily zu würdigen, heisst einen Meilenstein der Animationskunst in den Zusammenhang mit der späten Blütezeit des handgezeichneten Trickfilms zu bringen. Die Hintergründe einer filmisch abgehandelten Familienepisode im Comic auszumachen bedeutet jedoch auch, den Blick auf eine junge Kultur Geschichte einzustellen, auf eine erfolgreiche Migrationsgeschichte, in der deutsche Einwanderer ihren Anteil an der Konstituierung bürgerlicher Massenkommunikation haben.

Gewiss hatte der junge A.P. Knüttel das Fleischer Studio 1940 in dem Wissen verlassen, das seine Ideen bald reif sein würden. Allein mit einer handvoll zu Papier gebrachten Comic-Kühen wird Knüttel wohlwollendes erreicht haben. Auch können wir ihm einen gewissen geschäftlichen Sinn, den richtigen Richer für die Tatsache unterstellen, das die bislang vorherrschende Animal Animation von zunehmend komplexer werdenden menschlichen Charakteren abgelöst werden, - bei gleichzeitig sinkenden Etats und technischen Fortschritt. Wir können daher die fliegenden Kühe getrost zu den Relikten tierischer Vergangenheit zuordnen. Tatsächlich befinden sich die grossen Studios im Umbruch. Eine Zeit brach an die der Epoche einen Namen gab; das Fehrnsehzeitalter.

Ging die Gründung eines Studios vormals mit einer technischen Neuerung einher (Multiplan-Verfahren, Kamera-Layertechnik), so waren es bei A. P. Knüttel die Figuren und den ihnen zugrundeliegende Konfliktschemata einer wirklich existierenden Familie, die-, plakativ genug den Sprung von einem Agrar-Betrieb zum einem Industrie-Komplex begleiten. Wir können in Abgrenzung zu Ruff and Reddy, Popeye, Tom & Jerry und The Flintstones festhalten das kein platonisches Verhältnis (Popey-Olli-Bluto) die handelnden Figuren bestimmt sondern ein zu Papier gebrachtes Verhältnis lebender Personen. Hier sind es nicht die adoptierten Mäuse und Enten die bei ihnen unverheirateten Onkels und Tanten(Mickey und Minnie, Donald und Daisey) wohnen, hier regiert der Familienklan einer aufsteigenden Familiendynastie.

Dies ist die Stunde der Flying Cow Production. 

Knüttel weist 1953 Storyboard-Zeichner an, möglichst viele Zeichnungen und Hintergründe erneut zu verwenden. Die Geschichten werden standartisiert und auf immer wieder auf einen Schauplätze reduziert und fixiert: der Milchfarm am Rande des Testgeländes.
Diese Milchfarm begründet den typischen Wobblestil mit zweidimensionalen, statische Hintergründe mit zügigen Details, schwarz-weiss Kontrasten (s. Kuhflecken), der Dominanz vom Sound
 (Voice-Over, Muh)


Comic Alex Knüttel
und einer klar definierten Dialogregie die sich sehr gut für das Fernsehen eignet. Die Dramaturgie ist die der Familie - das ist die Innovation an sich, das Geheimniss welches den Erfolg der Wobbleserie begründet und Jung und Alt vor die Mattscheibe lockte.
Knüttels Unternehmensführung kennzeichnet sich in Spezialisierung und Arbeitsteilung dem Modell einer Familie. Die separaten Arbeitsprozesse der Wobblefamilie werden in der Produktion nachgeahmt. Animation, Szenenbild, Special Effects, Zeichnen und Kolorieren sind im Produktionsablauf mustergültig wie in einem modernen Molkereibetrieb organisiert. Marceys Küchenkosmos kann so durchaus als Vorläufer der Fehrnsehküche gelten. "Kochen mit Marcey" ist gleichbedeutend mit moderner Haushaltsführung. Und Buggy Bug, der Käfer, auf der Höhe seiner Zeit mutiert zu menschlicher Hilfbereitschaft, ähnlich dem Dino in den The Flintstones der als "Sidekick" ab 1957 manch heimische Handlungs-Szene erweitert.
Durch die kleiner werdenen Budgets beim Fernsehen entwickelt jedoch ein Stil, der mit der Anzahl von Bildern in einer Minute geizt, die sogenannte Limited Animation entwickelt sich. A. P. Knüttel konnte diese wirtschaftliche Schere durch die Erfolge seiner "zweiten Familie", dem Produktionsteam in den "flying Cow" Studios über ein Jahrzehnt kompensieren und hochwertiges produzieren, nicht zuletzt durch die Merchandise Fanartikel die ein weiteres Standbein einer gewinnbringende Produktionsline bedeuten.

Die fliegende Kühe indes bleiben Markenzeichen, als thump-Up Signal, dem Brüller am Schluss sind sie Bindeglied zwischen den running Gags.

Text:M:Mahla

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